EZB-Zinserhöhung

Vergangenen Donnerstag war es soweit: Erstmals seit 2008, dem Höhepunkt der Finanzkrise, wurde der Leitzins erhöht, und zwar von historisch niedrigen 1,00% auf 1,25%. Die Nachrichtenflut war im Folgenden vergleichsweise dramatisch, vermutlich verursacht durch die Begründung der Notenbanker: Steigende Inflationsgefahren. Ob eben diese tatsächlich nachhaltig gegeben sind und im weiteren Verlauf des Jahres zu einer tatsächlichen Zinswende führen werden, darüber lässt sich trefflich streiten oder besser spekulieren. Jedenfalls hat die Börse die Zinserhöhung überaus gelassen hingenommen. Dass die Politik des extrem billigen Geldes zu Ende gehen würde, war im Vorfeld bereits erwartet worden. Dem Euro, obgleich angeschlagen durch Portugal, geht es – zumindest im Verhältnis zum Dollar – auch gut (vielleicht auch wegen Portugal, da insoweit zumindest die Luft in Form der Unsicherheit raus ist).
Mit einigem Abstand lässt sich festhalten, dass die Zinsen im langjährigen Vergleich weiterhin günstig sind. Im mittel- bis langfristigen Bereich, der für eine Baufinanzierung von Bedeutung ist, waren sie schon sukzessive seit Herbst gestiegen. Der Bund-Future beispielsweise hat sich schon längst von seinen Rekordmarken entfernt, allerdings nicht flankiert durch eine Nachrichtenflut. Dennoch sind die Preise für Baugeld weiterhin im langfristigen Vergleich als günstig bis sehr günstig zu bezeichnen. Wer nicht sofort eine Immobilienfinanzierung in Angriff nehmen möchte oder wessen Zinsbindungsfrist noch nicht unmittelbar vor dem Ablauf steht, für den könnte es nunmehr Sinn machen, die Konditionen für ein Forward Darlehen auszuloten. Dies mindert das Risiko, dass man weiteren Zinserhöhungen tatenlos zusehen muss.

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