Überraschende Zinssenkung

Der Leitzins wurde gestern, quasi als erste Amtshandlung des neuen EZB-Präsidenten Draghi, um 25 Basispunkte auf nur noch 1,25 Prozent gesenkt. Dies freut Kreditnehmer. Gleichzeitig mag dies bei Sparern für Unbehagen sorgen (mehr dazu am Montag). 

Was die Freude von Kreditnehmern (oder solchen, die es werden wollen) angeht: Zu ausschweifend sollte sie nicht ausfallen. Schließlich ist im Einzelfall noch zu klären, ob und inwieweit man von noch günstigeren Zinsen profitieren kann. Wer bereits einen Kredit oder ein Darlehen laufen hat, guckt gewissermaßen in die Röhre, sofern (wie in den allermeisten Fällen) eine Festzinsvereinbarung mit der Bank getroffen wurde. Lediglich bei einer laufenden Immobilienfinanzierung, bei der in absehbarer Zeit eine Anschlussfinanzierung ansteht, ist die Zinssenkung auf ein noch niedrigeres Niveau eine gute Nachricht, da das Risiko sinkt, dass man, wenn man mit seiner Darlehensprolongation an der Reihe ist, sein Geld teurer einkaufen muss, da die Zinsen bis dahin wiederum gestiegen sind (z.B., weil es bis dahin eine nachhaltige Entspannung in Bezug auf Finanzkrisen und ihre Wahrnehmung in der Öffentlichkeit gegeben hat). Tipp insoweit: Bei versierten unabhängigen Finanzdienstleistern über ein Forward Darlehen informieren!

Ansonsten ist keinesfalls ausgemachte Sache, dass die Senkung des Leitzinses (zu dem sich die Banken untereinander auf täglicher Basis Geld leihen) kurz- oder mittelfristig Auswirkungen auf die Konditionen für mittelfristige Kredite oder langfristige Darlehen (insbesondere für eine Immobilienfinanzierung) haben wird. Macht im Grunde auch nichts, da sich die Zinsen in diesem Bereich ohnehin in historisch niedrigen Dimensionen befinden. Bei grundsätzlich stabilen Immobilienpreisen ergeben sich logischerweise derzeit verblüffend niedrige monatliche Belastungen. Darauf zu spekulieren, dass es in naher Zukunft noch günstiger werden könnte, dürfte beinahe falscher Geiz sein!

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