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Haken und Ösen

Mittwoch, 14. September 2011

Vor nicht allzu langer Zeit machte sich bei Angeboten für Kredite eine Unsitte breit: Fußnoten und Sternchen, mit denen die angegebenen (sehr günstigen) Zinssätze versehen waren. Im Kleingedruckten fand sich bisweilen der Hinweis, dass die offerierten Top-Konditionen bonitätsabhängig seien, also im Ergebnis bei der Prüfung des konkreten Einzelfalls durchaus andere, nicht unerheblich höhere Zinsen tatsächlich zum Tragen kommen könnten. Im Grunde bedeuteten Fußnoten und Sternchen somit Haken und Ösen. Diese Praxis hat bei Ratenkrediten, nicht zuletzt aufgrund von Maßnahmen der Finanzaufsicht, ihre Erledigung gefunden. Im Bereich der Immobilienfinanzierung scheint sie noch nicht ausgestorben zu sein. Der Schluss liegt jedenfalls nahe, wenn man sich verblüffend günstige Konditionen von Anbietern betrachtet, die online beworben werden. Es dürfte nicht verwunderlich sein, dass Interessanten, die davon ausgehen, tatsächlich ihre Finanzierung zu den angegebenen Konditionen bewilligt zu bekommen, stattdessen eine kalte Dusche erhalten. In der Praxis könnte zwischen einem unverbindlichen Vorschlag vorab und einem konkreten Angebot (nach Prüfung der Unterlagen des Kunden) ein merklicher Konditionsunterschied liegen. In diesem Fall hätte sich der ursprüngliche Werbezinssatz für Interessenten, nachdem sie bereits Zeit und Mühe investiert haben, im Nachhinein irgendwie als schnöder Lockvogel entpuppt.