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Der Garantiezins sinkt – na und?

Mittwoch, 4. Mai 2011

Besitzer einer klassischen kapitalbildenden Lebens- oder Rentenversicherung müssen sich insoweit keine Sorgen machen: Sie sind von der Senkung des Garantiezinses ab nächstem Jahr nicht betroffen. Zumindest nicht direkt, denn die Senkung, des maximal zulässigen Garantiezinses – den in der Praxis aus Wettbewerbsgründen alle Versicherungen anbieten – betrifft nur neu abgeschlossene Verträge ab kommendem Jahr. Indirekt sieht es leider ein bisschen anders aus: Der Garantiezins ist grundsätzlich eine aufsichtsrechtlich festgelegte Obergrenze für Zusagen, die Versicherungsunternehmen ihren Kunden bezüglich der Verzinsung des Sparanteils innerhalb der Versicherungsprämie erteilen dürfen. Eben diesen garantierten Zinssatz mit ihren Kapitalanlagen zu erzielen, fiel den Versicherungen jedoch in den letzten Jahren zunehmend schwerer angesichts des anhaltend niedrigen Zinsniveaus. Aus diesem Grunde sind auch die Überschussbeteiligungen, die die Versicherer ihren Kunden jährlich gutschreiben, kontinuierlich gesunken. Indirekt sind also durch die Entwicklung der letzten Jahre mit sehr niedrigen Zinsen alle Besitzer von klassischen kapitalbildenden Lebensversicherungen oder Rentenversicherungen betroffen: Vollzieht man die tatsächliche Entwicklung des Guthabens nach und vergleicht diese mit den ursprünglich – unverbindlich – in Aussicht gestellten Überschussbeteiligungen und Wertentwicklungen, so wird in den meisten Fällen eine nicht unerhebliche Lücke klaffen. Je nachdem, welchen Stellenwert die betreffenden Policen innerhalb des individuellen langfristigen Vermögensaufbaus bis hin zur Altersvorsorge einnehmen, kann das Ergebnis schade, ärgerlich oder verheerend sein. Davon abhängig ist entsprechend auch die Dringlichkeit, nach der Bestandsaufnahme Optionen zu prüfen und Alternativen in die Wege zu leiten.